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Der Regenbogen gestern

    Am 21. Juli. dem Abend vor seinem vierundsechzigsten Geburtstag, saß Korczak im Bett und schrieb. Nach dem jüdischen Kalender war dies der Abend des neunten Av, des tragischsten Augenblicks in der Geschichte der Juden, als der erste und zweite Tempel zerstört wurden. Doch selbst wenn Korczak daran gedacht hat oder daran, daß das Ghetto sich auf die absolute Katastrophe zubewegte - in seinen Aufzeichnungen erwähnt er es nicht.

    Er dachte an seine Familie - wie verärgert seine Mutter gewesen war, weil sein Vater sich nicht um seine Geburtsurkunde gekümmert hatte. Daß Großvater Hirsh, dessen Namen er trug, seinem Vater und den anderen Kindern christliche und hebräische Vornamen gegeben hatte. Daß sein Urgroßvater Glasbläser gewesen war, stimmte ihn froh: "Glas gibt Wärme und Licht." Er schrieb über seine Anfänge und dachte über sein Ende nach: "Es ist schwer, geboren zu werden und leben zu lernen. Mir bleibt die viel leichtere Aufgabe: zu sterben. Nach dem Tode kann es wieder schwer sein, aber daran denke ich nicht. Das letzte Jahr, oder der letzte Monat oder die letzte Stunde."

    Nach fast zwei Jahren im Ghetto war sein Körper den physischen und psychischen Belastungen kaum noch gewachsen. Er wußte, daß er nicht viellänger durchhalten würde, und sorgte sich um seinen Abschied von den Kindern, die ja im Gegensatz zu ihm noch nicht über den Tod als das natürliche Ende des menschlichen Lebens nachgedacht hatten. Er hoffte, ihnen die seelische Kraft gegeben zu haben, ihrem Schicksal, was es auch sein mochte, begegnen zu können. Was ihn selbst betraf, meinte er: "lch möchte gerne bei Bewußtsein und bei voller Besinnung sterben. Was ich den Kindern zum Abschied sagen würde, weiß ich nicht. lch möchte ihnen so viel sagen und es ihnen so sagen, daß sie ganz frei sind bei der Wahl ihres Weges." Um zehn Uhr abends hörte er mehrere Schüsse vor seinem verdunkelten Fenster. Aber er unterbrach seine Notizen nicht. "Im Gegenteil: lebendiger (ein einzelner Schuß) werden die Gedanken."

    Am 22. Juli 1942, am Morgen von Korczaks Geburtstag, stand der Vorsitzende Czerniakow wie üblich auf, um gegen sieben Uhr dreißig im Büro des Judenrats zu sein. Unterwegs wunderte er sich, daß die Begrenzungen des Kleinen Ghettos von polnischen Polizeieinheiten sowie von ukrainischen, litauischen und lettischen Truppen zusätzlich zu den üblichen Wachtposten umgeben waren.

    Er war auf das Schlimmste gefaßt, als zehn hohe SS-Offiziere, angeführt von Major Hermann Höfle, der die Liquidierung des Ghettos von Lublin angeordnet hatte, in sein Büro stürmten. Sie befahlen, das Telephon auszuschalten und den Spielplatz gegenüber zu räumen. Anders als jene Deutschen, die Czerniakow am Tag vorher an der Nase herumgeführt hatten, war Höfle von brutaler Offenheit ihm und den anderen Mitgliedern des Judenrats gegenüber: "Heute beginnt die Evakuierung der Juden aus Warschau. Sie wissen, daß es zu viele Juden gibt. Ihnen als Judenrat übertrage ich die Durchführung der Aufgabe. Sollten Sie dies nicht zur Zufriedenheit erledigen, werden Sie alle am gleichen Ast hängen."

    Anschließend wurde der Judenrat informiert, daß alle Juden, ungeachtet ihres Geschlechts oder Alters - mit Ausnahme der Mitglieder des Rates selbst und ihrer Familien sowie unverzichtbarer Dienstleistungseinheiten - in den Osten zu deportieren seien. Czerniakow habe dafür zu sorgen, daß bis um vier Uhr nachmittags sechstausend Menschen am Umschlagplatz seien, von wo aus Frachtzüge sie an ihre Bestimmungsorte bringen würden.

    Bis zu dem Zeitpunkt hatte Czerniakow alles erfüllt, was von ihm verlangt worden war. Doch als die Deutschen ihm jetzt befohlen, die Deportationsverordnung überall im Ghetto anschlagen zu lassen, weigerte er sich zum ersten Mal, seit er Vorsitzender des Judenrates war, ein Dokument mit seiner Unterschrift zu versehen. Er begriff plötzlich, daß man am Tag vorher die Mitglieder des Judenrates (unter ihnen Abraham Gepner) deshalb verhaftet und in den Pawiak gebracht hatte, um ihn unter Druck zu setzen, und er verlangte ihre sofortige Freilassung. Dies wurde ihm zugesagt, außerdem sollten von der Ankündigung all jene nicht betroffen sein, die auf dem Friedhof oder bei der Post arbeiteten, den Müll einsammelten, in Selbsthilfeorganisationen tätig waren oder zu den Wohnblockkomitees gehörten.

    Als Czerniakow jedoch darum bat, auch die Kinder in den Waisenhäusern und anderen Institutionen von der Bestimmung auszunehmen, wurde ihm lediglich zugesagt, daß man die Sache prüfen werde. In der Zwischenzeit war der Judenrat dafür verantwortlich, daß die unter seiner Aufsicht stehenden zweitausend Polizisten jeden Tag die verlangte Quote zum Umschlagplatz brachten. Falls sich der geringste Widerstand regen sollte, würde Czerniakows Frau erschossen.

    Als wäre es ein schlechtes Omen, mußte Korczak am Morgen seines Geburtstages als erstes feststellen, daß der alte Schneider Azrylewicz gestorben war. Er hatte kaum Zeit, darauf zu reagieren, als er erfuhr, daß die Gestapo die Evakuierung des Krankenhauses in der Stawkistraße angeordnet hatte, das sich neben dem Umschlagplatz befand. über fünfzig genesende Kinder sollten in das ohnehin schon völlig überfüllte Waisenhaus in der Dzielnastraße gebracht werden. Er eilte, um das zu verhindern.

    Gegen Mittag war das Ghetto in hellem Aufruhr - Viehwaggons waren auf den Schienen in der Nähe der Stawkistraße beim Umschlagplatz gesehen worden. Flüchtlingshäuser und Gefängnisse wurden geschlossen, ihre abgezehrten, jammernden und schreienden Insassen zusammen mit den Straßenbettlern in jenen Pferdewagen fortgekarrt, die danach Todeswagen heißen sollten. "Das Rumpeln von Rädern und das Klappern der Hufe auf dem Kopfsteinpflaster - so fing alles an!" beschrieb später ein überlebender diesen ersten Tag.

    Deportationsankündigungen des Judenrates hingen jetzt überall im Ghetto, allerdings ohne Unterschrift des Vorsitzenden. Die Leute strömten aus ihren Wohnungen, um sie zu lesen. Neuansiedlungen im Osten! Was hieß das? Jeder Deportierte durfte nicht mehr als sieben Pfund Gepäck mitnehmen, und dieses Gepäck sollte Wertsachen, Bargeld und Verpflegung für drei Tage enthalten. Zuwiderhandelnden drohte die Todesstrafe.

    Warschaus Juden lasen diese kurze Mitteilung immer und immer wieder. Mit keiner Silbe wurde ein Zielort erwähnt. Als einzige Ausnahmen waren neben dem Judenrat und seinen vielen Abteilungen das Krankenhauspersonal und jene. die in deutschen Fabriken arbeiteten, aufgeführt. Es kam zu einem Riesenandrang an allen Fabriken, die Arbeitsgenehmigungen zu vergeben hatten. Gleichzeitig gab es einige Juden, die eigentlich froh waren, aus dem Ghetto fortzukommen: kein Ort auf Erden, so meinten sie, könne schlimmer sein als der, wo sie waren. Sie wollten glauben, daß - wo immer sie auch hinkämen - sie bis zum Ende des Krieges durchhalten könnten.

    Zweifellos stand auch Korczak in der Menge und las die Ankündigungen, sah die Wagen, die die Menschen zu den Zügen fort brachten. Aber als er abends in sein Tagebuch schrieb, erwähnte er nichts von der Hysterie im Ghetto, sondern richtete seinen ganzen Zorn auf die "freche Schamlosigkeit" einer Ärztin, die die fünfzig Kinder aus ihrem Krankenhaus in sein Waisenhaus hatte bringen lassen. Der Streit zwischen den beiden dauerte schon über ein halbes Jahr, in dem es "keine Gemeinheit gegeben hat, die diese Dame den Kranken gegenüber nicht begangen hätte, aus Bequemlichkeit, Starrsinn, Dummheit", und jetzt hatte sie sich über seinen Einwand hinweggesetzt, daß eine solche Überfüllung für alle Kinder schädlich sei. Sie hatte die kleinen Patienten dort eingewiesen, als er nicht im Hause war. "Ausspucken und weggehen. Seit langem hege ich diesen Gedanken. Mehr noch - eine Schlinge - Blei an den Füßen."

    Man wundert sich über das, was Korczak nicht in sein Tagebuch geschrieben hat. Statt seine Machtlosigkeit gegenüber den Ereignissen jenes Tages zu akzeptieren, kämpfte er, wo er konnte. Der Tod des alten Schneiders, dessen aggressives und provokatives Verhalten er das ganze Jahr vorher zu ignorieren versucht hatte, war eine Fußnote des Ungesagten. Er sah zu dem nun leeren Bett hinüber und meinte: "Wie schwer ist das Leben und wie leicht der Tod!"

    Am 23. Juli, dem zweiten Tag der Deportationen, konfiszierte die Gestapo Adam Czerniakows Auto und nahm ihm damit ein weiteres Relikt seiner Autorität. Doch hörte er mit Erleichterung, daß sein Ansuchen, die Schüler der Berufsvorbereitungsschule und die Ehemänner von Frauen, die arbeiteten, von den Deportationen auszuschließen, positiv beschieden worden war. Was die Waisenkinder und Schüler von Handwerksschulen betraf, so solle er sich an eine höhere Institution wenden, hieß es.

    Als er an jenem Nachmittag im Büro des Judenrats an seinem Schreibtisch saß, grübelte Czerniakow über die Mitteilung nach, daß die Deportationen an sieben Tagen in der Woche durchzuführen seien. Er schlug sein Tagebuch auf und schrieb: "Im ganzen Ghetto entstehen in größter Hast neue Handwerksbetriebe. Eine Nähmaschine kann zum Lebensretter werden. Es ist drei Uhr. Bis jetzt sind viertausend abmarschbereit. Der Befehl lautet, daß es bis vier Uhr neuntausend sein müssen."

    Es war seine letzte Eintragung.

    Als er an jenem Abend zu Hause sein Abendessen einnahm, wurde er erneut in sein Büro zitiert, um zwei hohe SS-Offiziere aus der Abteilung für Deportationen zu treffen. Da er kein Auto zur Verfügung hatte, benutzte er zum ersten Mal ein Fahrradtaxi. Während des kurzen Gesprächs wurde ihm mitgeteilt, daß es für Waisenkinder keine Ausnahmen geben werde. Sie seien nicht produktiv und deshalb zu deportieren.

    Als die Deutschen gegangen waren, blieb der Vorsitzende in seinem Stuhl sitzen - ein gebrochener Mann. Fast drei Jahre lang hatte er versucht, alle Forderungen der Gestapo zu erfüllen, weil er gehofft hatte, daß die Juden sich durch Kooperation den Nazis und ihrem Krieg unentbehrlich machen würden, wie lange dieser Krieg auch dauern mochte. Für das Wohl des Ghettos hatte er viele Grundsätze aufgegeben, einer Evakuierung der Kinder konnte er jedoch nicht mehr zustimmen. Er läutete der Frau von der Nachtaufsicht und bat um ein Glas Wasser. Er war weiß wie die Wand. Seine Hände zitterten, als er das Glas entgegennahm. Er versuchte ein Lächeln und entließ sie mit einem "Dankeschön" - seinem letzten Wort.

    Wie Korczak hatte auch Czerniakow Gift zur Verfügung. Er hielt vierundzwanzig Zyankalikapseln unter Verschluß, eine für jedes Mitglied des Judenrats für den Fall, daß etwas von ihnen verlangt werden würde, was sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren konnten. Für ihn war dieser Fall jetzt eingetreten. Er schrieb zwei Briefe. In dem einen bat er seine Frau um Vergebung, daß er sie verließ, und um Verständnis dafür, daß er nicht anders habe handeln können. Im anderen erklärte er den Mitgliedern des Judenrates, daß es ihm nicht möglich sei, hilflose Kinder an die Deutschen auszuliefern. Er hoffte, daß sie seinen Selbstmord nicht als eine feige Tat beurteilen würden, aber er könne all das, was geschah, nicht länger ertragen.

    Kurz darauf wunderte sich der Kassierer, der in einem anderen Teil des Gebäudes arbeitete, daß das Telephon im Büro des Vorsitzenden nicht abgehoben wurde. Als er vorsichtig die Tür öffnete, fand er Adam Czerniakow tot an seinem Schreibtisch.

    In jener Nacht ordnete die Gestapo eine Notversammlung des Judenrates zur Wahl eines neuen Vorsitzenden an. In den frühen Morgenstunden wurde Czerniakow in Gegenwart seiner Frau, einiger Mitglieder des Judenrats und einiger enger Freunde wie Korczak still und hastig begraben. In seiner Grabrede sagte Korczak: "Gott gab Adam Czerniakow die wichtige Aufgabe, die Würde der Juden zu beschützen. Jetzt, wo er tot ist, wird er seinen Körper der Erde und seine Seele Gott zurückgeben mit dem Geschenk, sein Volk beschützt zu haben, und er wird wissen, daß er seine Aufgabe erfüllt hat."

    Die Menschen des Ghettos, ohnehin schon vom Entsetzen gepackt, wußten nicht recht, wie sie die Nachricht vom Selbstmord des Vorsitzenden aufnehmen sollten. Viele hatten das Gefühl, er habe sie ohne eine klare Botschaft einfach im Stich gelassen. Marek Edelman, der den Ghettoaufstand im folgenden Jahr überleben sollte, machte Czerniakow den Vorwurf, seinen Tod als Privatangelegenheit behandelt zu haben. Andere hingegen erkannten zum ersten Mal die heroischen Qualitäten dieses schlichten Mannes (dem man so oft "Führungsschwäche" vorgeworfen hatte), der nach der deutschen Invasion trotz seines Visums für Palästina sich zum Bleiben entschieden hatte, um seiner Gemeinde zu dienen - ohne Bezahlung und mit großem persönlichen Risiko. Chaim Kaplan, stets ein scharfer Kritiker des Vorsitzenden, schrieb in seinen Aufzeichnungen, daß es zwar Menschen gebe, die in einer Stunde Unsterblichkeit erlangten, Czerniakow jedoch habe dies in einem Augenblick getan.

    Wenn der Selbstmord des Vorsitzenden die meisten noch nicht davon überzeugte, daß die Umsiedlungen den Tod bedeuteten, machte ihnen die Reise doch mehr Angst als je zuvor. Da es die " nichtproduktiven Elemente" waren, die gehen mußten, waren unzählige Menschen auf der Suche nach Arbeit in Hunderten von "Werkstätten", die über Nacht entstanden. Wenn sich nicht genügend Leute fanden, die das Angebot der Nazis annahmen, für drei Kilo Brot und ein Kilo Marmelade freiwillig den Zug zu besteigen, setzten die Deutschen die jüdische Polizei unter Druck, um die Viehwaggons zu füllen. Die verzweifelten Juden befanden sich jetzt in der Lage, von ihren eigenen Leuten gejagt und zusammengetrieben zu werden, die ebenso verzweifelt ihre Quoten erfüllen wollten. Arbeitsgenehmigungen reichten nicht mehr aus, durch die täglichen Straßenabsperrungen zu kommen. Familien wurden aus ihren Verstecken gezerrt. Wer Widerstand leistete, wurde erschossen. Die Geschäfte wurden geschlossen. Es gab keinen Schmuggel mehr. Keine Nahrung. Kein Brot. Niemand wagte sich ohne besonderen Grund auf die Straße.

    In jenen ersten chaotischen Tagen war sich Gienas Bruder Samuel einfach nicht klar darüber, was er tun solle. Er hatte Gerüchte gehört, daß das Waisenhaus nicht umgesiedelt werden sollte, weil die Deutschen sich nicht mit Kindern abgeben wollten, die noch nicht arbeitsfähig waren, und er wollte gerne glauben, daß seine Schwester somit in Sicherheit sei. Doch ständig erschien ihm das bleiche Gesicht seiner Mutter im Traum, die ihn fragte. "Wo ist Giena?" Was konnte er tun? Wenn er sie auch in seinem Zimmer unterbrächte, wie könnte sie den Tag verbringen, wenn er in der Möbelfabrik arbeitete, oder den Abend, wenn er zu Untergrundtreffen ging? Er hatte in der Wohnung eines älteren Ehepaares ein Zimmer gemietet, doch er kannte die Leute kaum. Würde sie sich nicht fürchten, sich verlassen vorkommen und ihre Freunde vermissen? Sie war klug und umsichtig für ihre zehn Jahre, aber sie war immer noch ein Kind. Und wie sollte er sie ernähren? Brot war rar und sehr teuer. Geld hatte er auch keins mehr, nur noch einige Schmuckstücke seiner Mutter. Aber wer würde heute noch Brot für so etwas geben?

    Am 26. Juli, dem fünften Tag der Umsiedlung, entschloß sich Samuel, Giena zu sich zu holen. Er nahm sich frei und machte sich unter vorsichtiger Vermeidung jener Straßen, wo gerade eine Aktion stattfand, auf den Weg ins Waisenhaus. Er fand Giena im großen Saal des Erdgeschosses, wo sie mit zwei anderen Kindern spielte. In den wenigen Tagen seit dem Beginn der Deportationen hatte sich die Atmosphäre des Hauses spürbar verändert. Die Kinder sahen schrecklich aus und klagten über Hunger. Giena führte ihn zu Stefa und lief dann zurück, um weiterzuspielen.

    Nachdem er sein Anliegen vorgebracht hatte, meinte Stefa, daß er selbstverständlich tun könne, was er für richtig halte. Sie machte ihn allerdings darauf aufmerksam, daß sie anderen Familien, die in der gleichen Absicht zu ihr gekommen waren, von ihrem Plan abgeraten hatte. Korczak und sie waren beide der Ansicht, daß die Kinder bei ihnen sicherer seien - selbst der Judenrat war überzeugt, daß die Gestapo das berühmte Waisenhaus in Ruhe lassen würde -, doch vor allem sei es nicht gut für die Moral, wenn einige Kinder das Haus verließen. Das Personal hatte sich zum Bleiben entschieden, egal was geschah. Sie schlug ihm vor, Giena um ihre Meinung zu fragen, bevor er seine endgültige Entscheidung traf. Es war nicht üblich, daß ein Kind wieder aufgenommen wurde, wenn es das Haus einmal verlassen hatte. In Gienas Fall war Stefa aber bereit, eine Ausnahme zu machen.

    Samuel ging mit Giena in den kleinen Hof zwischen den beiden Häusern. Sie setzten sich auf eine Bank, und er erzählte ihr noch einmal, wie er ihrer Mutter versprochen hatte, auf sie achtzugeben, und daß er sich jetzt frage, ob sie nicht besser beieinander sein sollten in dieser Zeit, in der die Menschen zu unbekannten Zielen geschickt wurden. Er gab zu, daß er sich durchaus sorgte, sie allein lassen zu müssen, wenn er in der Fabrik war.

    Auch Giena hatte sich schon gefragt, was zu tun sei. Zwei ihrer Freundinnen waren schon von ihren Familien geholt worden, sie wollte aber im Waisenhaus bleiben. Sie fürchtete sich vor den vielen Menschen auf der Straße und davor, in einem fremden Haus auf ihn zu warten. Schließlich gab sie aber seiner Überzeugung nach, daß sie gerade jetzt zusammensein sollten.

    Es stellte sich heraus, daß Samuels Sorge, was seine Schwester tagsüber ohne ihn anfangen würde, begründet gewesen war. Giena zitterte jeden Morgen vor Angst, wenn er das Haus verließ, und weinte, wenn er zurückkam. Sie vermißte ihre Kameraden und ganz besonders Stefa. Nach einigen Tagen bat sie ihn, sie ins Waisenhaus zurückzubringen.

    Samuel hätte ihr gerne gesagt, daß das Waisenhaus gefährdet war, weil die Nazis nicht dafür bekannt waren, Kinder zu verschonen, und daß einige Leute im Untergrund glaubten, die Umsiedlungen bedeuteten in Wirklichkeit den Tod. Aber er brachte es nicht fertig. Was würde diese Information einem Kind nützen, wenn selbst die Erwachsenen hilflos und durcheinander waren. Als er ihr trauriges Gesicht sah, fragte er sich, ob sie nicht das Schlimmste vermutete. Vielleicht taten das die Kinder ohnehin. Er brachte sie ins Waisenhaus zurück und mußte schlucken, als er sah, wie sie Stefa umarmte. Er verließ sofort das Haus, weil er wußte, daß er seine Tränen nicht würde zurückhalten können. Er beugte sich hinunter, küßte Giena auf die Augen, die so sehr denen ihrer Mutter ähnelten, und ging rasch davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

    Nach Czerniakows Tod ließ Korczak sein Tagebuch drei Tage lang unbeachtet. Als er es am 27. Juli wieder hervornahm, erwähnte er den Selbstmord dieses Freundes, der eine seiner größten Stützen gewesen war, mit keinem Wort.

    "Der Regenbogen gestern", begann er seine Eintragung.

    " Ein wunderschöner, großer Mond über dem Lager der Heimatlosen. Warum kann ich diesen unseligen, verwirrten Stadtteil nicht beruhigen?"

    Selbst jetzt berichtete er nichts über die Deportationen: wie jeden Tag die Leute blockweise aus ihren Wohnungen gejagt und mit Peitschenhieben durch die Straßen zum Umschlagplatz getrieben wurden. Statt dessen versuchte er, mit bitterer Ironie, diesen "durchsichtigen Plan" der Deutschen zu ergründen, indem er eine Rede schrieb, die er auch sehr gut für den verrückten Oberst aus seinem Stück Senat der Verrückten hätte schreiben können:

      Gebt eine Erklärung ab, wählt. Es sind keine bequemen Wege, die wir euch zur Auswahl anbieten. Auf Bridgepartien müßt ihr einstweilen verzichten, auf Badefreuden auch und auf wohlschmeckende Mahlzeiten, mit dem Blut der Schmuggler bezahlt. . . . Wir betreiben ein gigantisches Unternehmen. Es heißt: Krieg. Wir arbeiten planmäßig, diszipliniert, methodisch. Eure kleinen Interessen, Ambitionen, Gefühle, Launen, Ansprüche, Kummer und Wünsche gehen uns nichts an. . . .

      Die Juden nach Osten. Jetzt gibt es kein Gefeilsche mehr.

      Es geht nicht um die jüdische Großmutter, sondern darum, wo du nötiger gebraucht wirst - deine Hände, dein Kopf, deine Zeit und dein Leben. . . .

      Wir, die Deutschen - es geht nicht um das Aushängeschild, sondern um die Taxe, um die Vorherbestimmung der Erzeugnisse. Wir sind eine eiserne Walze . . . Auch wenn wir manchmal Mitleid mit euch haben - wir müssen mit der Peitsche, dem Knüppel oder dem Bleistift arbeiten. Es muß ja Ordnung herrschen. . . .

      Die Juden haben ihre Verdienste. Sie sind begabt, und dann ist da noch Moses, und Christus, und ihr Fleiß, und Heine, und die alte Rasse, und der Fortschritt, und Spinoza, und die Hefe, und die ersten, und die Opferwilligen. Das ist schon richtig. Aber außer den Juden gibt es auch noch andere und anderes.

      Die Juden sind wichtig, aber später - ihr versteht schon, morgen. Gewiß, wir wissen das, und wir denken daran. Eine wichtige Position, aber nicht die einzige. . . .

      Mein Freund, du bist gezwungen, dir diese programmatische Rede der Frau Historia über die neue Charta anzuhören.

    Würde man die Rede der Dame Historia je verstehen? Man konnte sich nur nach dem Programm richten, das für das eigene Leben geschrieben worden war. "WARUM ICH DAS ESSGESCHIRR WEGRÄUME", schrieb er jetzt in großen Buchstaben über die Seite:

      Ich weiß, daß viele es nicht gerne sehen, daß ich nach den Mahlzeiten das Eßgeschirr wegräume. Selbst die, welche Tagesdienst haben, haben das anscheinend nicht gern. Sie werden ja auch so fertig. Sie sind ihrer ja genug. Und wenn sie zu wenige wären, müßten eben noch einer oder zwei helfen. . . .

      Und was noch schlimmer ist, wenn jemand mit etwas Wichtigem zu mir kommt, dann lasse ich ihn warten und erkläre: "Ich bin gerade beschäftigt." Auch eine Beschäftigung: dieses Einsammeln von Suppenschüsseln, Löffeln und Tellern.

      Am allerschlimmsten ist aber, daß ich mich dabei sehr ungeschickt anstelle, beim Verteilen der Zusatzportionen störe und die eng an ihren Tischen sitzenden Kinder . stoße. Meinetwegen kann einer seine Suppenschüssel oder sein Schälchen nicht mehr auslecken. Es kann sogar jemand um seine Zusatzportion kommen.

    Niemand hat ihn direkt gefragt: "Warum tun Sie das eigentlich?

    Warum stören Sie hier? " Er möchte es trotzdem erklären:

      Wenn ich das Eßgeschirr selbst einsammle, dann sehe ich die Teller, die einen Sprung haben, die verbogenen Löffel, die zerkratzten Schüsseln. . . .

      Manchmal beobachte ich verstohlen, wie die Zusatzportionen ausgegeben werden oder wer neben wem sitzt. Und ich denke mir dies und das dabei. Denn ich tue niemals etwas gedankenlos. Diese Kellnerarbeit ist für mich sowohl nützlich als auch angenehm und interessant.

      Aber nicht dies ist wichtig. . . . Ich setze mich dafür ein, daß es im "Haus der Waisen" keine feine oder grobe, gescheite oder dumme, saubere oder schmutzige Arbeit gibt - Arbeit für junge Damen oder für gewöhnliches Gesinde. Jemandem, der nur zufällig Korczaks Tagebuch durchblätterte, wäre es sicher seltsam vorgekommen, daß dieser große Erzieher sich seitenweise darüber ausließ, warum er den Tisch abräumte, während um ihn herum sich das Warschauer Ghetto auflöste. Aber das war seine Art, das Böse um ihn herum zu überwinden: Ordnung und Rituale der Vergangenheit waren der einzige Halt, mit dem er seine kleine Republik fest verankern konnte.

    Als Esterka Winogron, Korczaks tüchtige und engagierte Assistentin, die Das Postamt inszeniert hatte, bei einer der ersten Aktionen mitgenommen wurde, vergaß Korczak seine eigene Sicherheit und rannte durchs ganze Ghetto auf der Suche nach jemandem, der einflußreich war und ihr helfen könnte. " >Wo ist sie in die Falle geraten?< fragte jemand."

    Er wußte es nicht. Er wußte nur, daß er sie unter Tausenden von Menschen finden mußte, die auf dem Umschlagplatz zusammengetrieben worden waren - und zwar, bevor sie einen der Waggons bestieg. Vielleicht war es schon zu spät.

    Er nahm das bißchen Kraft, das ihm noch blieb, zusammen und marschierte los, vorbei an deutschen und ukrainischen Soldaten, vorbei an jüdischer Polizei, an verlassenen Geschäften mit ihren eingeschlagenen Schaufenstern. Er drückte sich an die Häuserwand, als ein Deutscher ihn anbellte, den Weg freizumachen für ein neues Kontingent von Opfern, das mit Peitschen und Hunden vorbeigetrieben wurde. "Damit tun sie mir sogar einen Gefallen, denn beim Herumschlendern könnte mich ja eine verirrte Kugel treffen. Aber so stehe ich sicher an der Mauer und kann ruhig und aufmerksam schauen und nachdenken - meinen Gedanken nachhängen. Und das tue ich auch."

    Er dachte daran, wie "Fräulein Esther" ihm gesagt hatte, daß sie nach dem Krieg kein leichtfertiges und einfaches Leben wollte, sondern von einem "schönen Leben" träumte. Er ging weiter, hatte nur den einen Gedanken, sie zu finden, als ob auf irgendeine magische Weise alle gerettet würden, wenn es ihm gelang, sie zu retten. Als ihn ein junger Pole im Polizeikommando "wohlwollend fragte", wie er denn durch die Blockade gekommen sei, fragte er ihn, ob er nicht "etwas" für Esterka tun könne. " Selbstverständlich nicht", lautete die Antwort. "lch sagte hastig: >Danke für das gute Wort.< Dieser Dank ist die welke Frucht des Elends und der Erniedrigung."

    Gequält von seiner Unfähigkeit, ihr zu helfen, tröstete er sich mit dem Gedanken: "Wenn sie jetzt nicht hierher zurückkehrt, treffen wir uns später woanders wieder." Vielleicht meinte er es wörtlich, vielleicht meinte er das " Land hinter den Sternen", zu dem Amal gereist war. Er war sich noch nicht einmal sicher, ob er ihr "im Falle eines Erfolges wirklich genützt, oder ob ich ihr nicht vielmehr geschadet, Unrecht getan hätte.. . . Vielleicht ist gar nicht sie [in die Falle] hineingeraten, sondern wir, die wir hierbleiben", schrieb er in sein Tagebuch.

    Einige Tage später wurde auch er aufgegriffen. Stella Eliasberg wird nie vergessen, wie Korczak eines Nachmittags an ihre Tür hämmerte und ins Zimmer fiel. Als er Atem geholt hatte und sprechen konnte, erzählte er ihr, daß ihn ein SS-Kommando bei einer Aktion ergriffen und auf einen Todeskarren geschleudert habe. Er sei nur deshalb davongekommen, weil auf dem Weg zum Umschlagplatz ein jüdischer Polizist ihn erkannt hatte und ihm vom Karren herunterhalf. Als er mit seinem Stock davonhumpelte, schrie der Deutsche, er solle zurückkommen, aber er tat so, als höre er nichts. Korczak blieb vier Stunden in Stellas Wohnung und wartete dort das Ende der Aktion ab. während der ganzen Zeit entschuldigte er sich bei ihr, sie mit dieser Geschichte zu langweilen. Und dann humpelte er ins Waisenhaus zurück."

    Von Tag zu Tag ändert sich das Gesicht des Stadtviertels", teilte er im Tagebuch mit.

      l. Gefängnis
      2. Verseuchtes Gebiet
      3. Balzplatz
      4. Irrenhaus
      5. Spielhölle. Monaco.
      Einsatz der eigene Kopf "

    Gienas Bruder gelang es, seine Schwester einige Male am späten Nachmittag zu besuchen, wenn für den Tag die Treibjagd auf den Straßen vorbei war. Die Deutschen hatten die jüdische Polizei dieser Aufgabe enthoben und verließen sich lieber auf die brutalen lettischen und ukrainischen Truppen, um die Menschen in die Züge zu treiben. Stefa gab zu, daß sie nicht mehr so fest an die Sicherheit des Waisenhauses glaubte wie früher, aber sie konnte Samuel beruhigen, daß das Personal die Kinder auf keinen Fall verlassen würde.

    An dem Tag, an dem er seine Schwester zum letzten Mal sah, kam Korczak an ihnen vorbei - "ein gebeugter alter Mann mit einem kurzen, weißen Bart". Er musterte Samuel kurz, fragte ihn, was er denn so mache, und ging weiter: die Kontaktpflege mit Familienangehörigen überließ er Stefa. Giena bemühte sich, fröhlich zu sein. Sie erzählte ihm von den Büchern, die sie las, und nicht, wie hungrig sie war. Als er sich aber dann verabschiedete, warf sie ihm die Arme um den Hals und flüsterte: "Paß auf dich auf, um meinetwillen."

    Am l. August, einem Samstag, war es "so weich und warm im Bett", daß es Korczak schwerfiel aufzustehen. Zum ersten Mal in dreißig Jahren interessierten ihn die Ergebnisse des wöchentlichen Wiegens überhaupt nicht. " Sie sollten eigentlich zugenommen haben", meinte er und fragte sich gleichzeitig, "warum es gestern zum Abendbrot rohe Möhren gab". Er schloß noch einmal die Augen und überlegte sich, eine Monographie über das Federbett zu schreiben.

    Aber er mußte aufstehen, und wenn es nicht wegen des Wiegens der Kinder war, dann wegen Adzio, einem "zurückgebliebenen, bösartigen und widerspenstigen" Buben. Er wollte "nicht das ganze Haus wegen irgendeiner seiner unüberlegten Handlungen gefährden" und hatte deshalb an das Kommissariat geschrieben, Adzio wegzuholen. Wie in den Tagen vor dem Krieg war die Ausgeglichenheit des Hauses oberstes Gebot.

    Man fragt sich, ob Korczak dachte, daß die Polizei Adzio irgendwoanders hinschicken würde als zum Umschlagplatz, um ihn "umzusiedeln". Nach seiner Tagebucheintragung über Adzio stellte er als nächstes mit Genugtuung fest, daß es ihm gelungen war, eine Tonne Kohlen für die Dzielnastraße zu organisieren. Selbst als die Züge schon jeden Tag Tausende von Juden an ihr unbekanntes Ziel brachten, bereitete er sich auf den Winter vor.

    Seit einer Woche war er mit Abraham Gepner, seinem Freund im Judenrat, im Gespräch, seine beiden Waisenhäuser in Werkstätten zu verwandeln, in denen deutsche Uniformen genäht werden sollten oder was immer gebraucht wurde, Er hoffte, daß die Kinder, wenn sie sich als nützlich herausstellten, bleiben dürften, wo sie waren. Gepner war noch immer ein mächtiger Mann im Ghetto - "Herz und Hirn der Beschaffungseinheit" hatte Czerniakow ihn einmal genannt -, und wenn jemand diese Werkstätten zustande bringen konnte, dann war er es. "Korczak gab sich bis zum Schluß der Illusion hin, daß diese Werkstätten die Kinder retten würden", erinnerte sich Stella Eliasberg. "Deshalb wollte er, daß alles seinen gewohnten Gang ging, um die Kinder nicht aufzuregen und eine Panik zu vermeiden. Aber die Zeit reichte noch nicht einmal, auch nur eine Werkstatt einzurichten."

    Korczak mag versucht haben, den Deutschen immer einen Schritt voraus zu sein, aber er hatte nicht mehr die Kraft, die allgemein um sich greifende Demoralisierung abzuwehren. "Aber das, was ich ertrage, ist doch wirklich gewesen", schrieb er. "Es ist gewesen. Man hat Hausrat verkauft und Kleidungsstücke, für einen Liter Petroleum, ein Kilo Grütze ein Gläschen Schnaps." Das ganze Ghetto war zu einem einzigen riesigen Pfandhaus geworden. Und alles, was für die zivilisierte Welt selbstverständlich gewesen war - Glaube, Familie, Mutterschaft -, war jetzt entwertet.

    Jeder Tag brachte "so viele feindliche und düstere Eindrücke", daß er gar nicht mehr träumte. Er las die Erinnerungen Marc Aurels, um Trost zu finden; er meditierte - indische Meditation scheint er gekannt zu haben, Ihm fiel auf, daß er die Welt "schon lange nicht mehr gesegnet" hatte. Er versuchte es. Es ging nicht. Er wußte nicht einmal, was er falsch machte. Er setzte sich hin, atmete tief, bis er sich von reinigenden Schwingungen durchströmt fühlte; doch als er die Hand zum Segen erhob, waren die Finger kraftlos, keine Energie war bis zu ihnen vorgedrungen.

    In jenen frühen Morgenstunden, als er über sein Leben nachdachte, schien alles ein Fehlschlag gewesen zu sein:

      Meine Teilnahme am russisch-japanischen Krieg.

      Fehlschlag - Niederlage.
      Im europäischen Krieg - Fehlschlag - Niederlage.
      Im Weltkrieg . . .
      Ich weiß nicht, wie und als was sich der Soldat einer siegreichen Armee fühlen mag . . .

    Statt des alten Schneiders Azrylewicz hatte er jetzt Julek bei sich. Der Bub hatte eine Lungenentzündung und litt an Atembeschwerden, wie der alte Schneider. Er stöhnte und schlug um sich mit demselben "egoistischen und komödiantischen Bemühen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken". Und erst als Julek die erste ruhige Nacht in einer Woche hatte, konnte Korczak schreiben: "Ich auch."

    Am 5. August erwachte Korczak um fünf Uhr dreißig. Es war "ein trüber Morgen". Hanna war bereits aufgestanden. ">Guten Morgen! < Sie antwortet mit einem verwunderten Blick. >Lächle doch.< Es ist ein gequältes, blasses, schwerkrankes Lächeln." Hanna war hungrig, wie alle Kinder. Brot, diese Grundlage des Lebens, gab es nicht. Korczaks Zorn schien sich jetzt mit Resignation und Trauer vermischt zu haben, wenn er Gott bat:

      Vater unser, der du bist im Himmel. . .
      Hunger und Unglück haben dieses Gebet gemacht.
      Unser täglich Brot.
      Brot.

 

 


©  by M. Parciak   - Korczak Communication Center -  Munich, Germany
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