Janusz Korczak Communication - Center
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Epilog:

Treblinka und danach

Die Menschen empfinden und betrachten den
Tod als das Ende, aber er ist nur eine
Fortsetzung des Lebens, ein anderes Leben.
Und wenn du nicht an die Seele glaubst, so mußt
du doch zugeben, daß dein Körper weiterleben
wird - als grünes Gras, als Wolke. Du bestehst
doch aus Wasser und Staub. Tagebuch im Ghetto

    Es hat niemand überlebt, der die Geschichte der letzten Stunden von Korczak, Stefa und den Kindern hätte berichten können, nachdem der Zug Warschau am 6. August 1942 verlassen hatte. Das einzige, was man weiß, ist, daß Treblinka, das Vernichtungslager, zu dem sie gebracht wurden, auch von einem Arzt kommandiert wurde, dem berüchtigten Dr. Irmfried Eberl. Trotz Eberls Erfahrungen im Vergasen von Menschen aus dem "Euthanasie-Programm" in Deutschland, herrschte in Treblinka ein heilloses Chaos. Die kleinen Gaskammern, die Motorenabgase ausspuckten, waren zwar ununterbrochen in Betrieb, konnten aber der Tausende nicht Herr werden, die an jedem Tag eintrafen, Viele mußten erschossen werden, überall lagen Berge verwesender Leichen, die irgendwann in ein Massengrab geworfen werden sollten.

    "So können wir nicht weitermachen. Ich kann nicht mehr. Wir müssen das Ganze abbrechen", telephonierte Eberl ins Gestapo-Hauptquartier nach Lublin.

    "Das ist das Ende der Welt", sagte Franz Stangl, als er Ende August in Treblinka eintraf, um Eberl abzulösen. Der Gestank reichte kilometerweit. Im folgenden April befahl er, alle Massengräber zu öffnen und die Leichen auf "Rosten" zu verbrennen. Die Asche wurde in lange Gräben geschüttet und mit Erde bedeckt, in die man immergrüne Bäume einpflanzte.

    Als Misha am Spätnachmittag des 6. August ins Waisenhaus zurückkam. fand er ein Riesendurcheinander vor. Korczaks Brille, deren linkes Glas einen Sprung hatte, lag auf dem Tisch neben dem Bett, wo er sie am Abend vorher hingelegt hatte, seine Papiere waren über das ganze Zimmer verstreut. Misha ist überzeugt, daß niemand es für möglich gehalten hatte, daß das Waisenhaus an jenem Tag geräumt würde. Er überlebte den Krieg, war Oberst in der polnischen Armee, bis die "anti-zionistischen" Säuberungsaktionen ihn Ende der sechziger Jahre zwangen, nach Schweden zu emigrieren.

    "Am Tag, nachdem Korczak und die Kinder verladen worden waren, erschien ein rothaariger Bub mit einem Päckchen an meiner Tür und rannte davon", erzählte Newerly. "lch hatte Angst, daß es in meiner Wohnung nicht sicher sein würde, und brachte es sofort zu Maryna Falska nach Bielany. Wir suchten uns einen Platz unter der Dachrinne, wo Herr Cichosz, der Hausmeister, ein Loch machte und es einmauerte."

    Nachdem Newerly zwei Jahre als politischer Häftling in Auschwitz verbracht hatte (wo er einmal glaubte, den rothaarigen Buben gesehen zu haben), begann er mit einem neuen Leben in einem Polen, das jetzt zum sowjetischen Block gehörte. Korczaks Tagebuch wurde aus seinem Versteck geholt und der polnischen Schriftstellervereinigung übergeben. In der stalinistischen Ära durfte es nicht veröffentlicht werden, da Korczak als "bürgerlicher Erzieher" galt und die Arbeiten des russischen Pädagogen Anton Makarenko vorgezogen wurden.

    Erst als 1956 das politische Tauwetter einsetzte, war es Newerly möglich, das Werk des Janusz Korczak zu veröffentlichen, aber selbst dann erschien das Tagebuch nur als Teil einer vierbändigen Anthologie und nicht als separates Buch. Das Original, das von Henryk, einem der jungen Erzieher im Waisenhaus, getippt worden war, ist verschollen. Sowohl das Archiv der Korczak-Gesellschaft in Warschau als auch das Literaturmuseum in Warschau besitzen säuberlich getippte Manuskripte, von denen jedes als das Original bezeichnet wird.

    Ide Merzen, eine der wenigen jüdischen Erzieherinnen, die überlebte und dann nach dem Krieg in Warschau blieb, berichtete, das Tagebuch sei mit vielen Fehlern auf dünnes blaues Reispapier getippt worden. Sie und eine andere Frau klebten diese Seiten Mitte der fünfziger Jahre auf Karton, so daß Newerly sie für eine Veröffentlichung bearbeiten konnte. "Das Tagebuch wurde kaum redigiert, es wurden lediglich einige Namen weggelassen oder durch Initialen ersetzt", erzählte Ida Merzan."Einige Juden, die nach dem Krieg von Rußland nach Polen zurückkehrten, verfügten über Macht in der neuen Regierung und protestierten gegen die kritischen Dinge, die Korczak über ihre Verwandten geschrieben hatte. Und es gab gewisse polnische Funktionäre, die jede Erwähnung früherer Patrioten wie Jozef Pilsudski streichen wollten, weil sie antikommunistisch gewesen waren."

    Sowohl Ida Merzan als auch Newerly behaupten, daß mit Ausnahme einiger unwesentlicher Details nichts an dem Originalmanuskript geändert wurde. Ida Merzan weiß nicht, wer es an sich genommen haben könnte. "Man hat mir gesagt, daß ich aufhören solle zu suchen, daß ich es niemals finden werde", erklärte sie. "Aber ich glaube, daß es wieder auftauchen wird, wenn es diese Generation nicht mehr gibt."

    Maryna Falska hatte sich bemüht, nicht in Verzweiflung zu fallen, nachdem Korczak und seine Waisen nach Treblinka gebracht worden waren. Sie versteckte weiterhin jüdische Kinder. Eines davon erinnert sich daran, sie gesehen zu haben, als sie während des Ghettoaufstandes den in Flammen stehenden Himmel beobachtete, von dem die aus Kissen und Matratzen kommenden Federn wie Schneeflocken herabfielen. Maryna liefen die Tränen über das Gesicht, doch als sie das jüdische Mädchen erblickte, nahm sie sich sofort zusammen und schickte das Kind zu Bett.

    Während des Warschauer Aufstandes 1944 - als die Deutschen die Stadt dem Erdboden gleich machten, während die Russen auf der anderen Seite der Weichsel seelenruhig zuschauten - richtete Maryna Falska in ihrem Waisenhaus ein Spital für verwundete polnische Kämpfer ein. Sie gestattete ihren älteren Buben, sich den Kämpfenden anzuschließen, und saß nachts wach, um auf ihre Rückkehr zu warten. Acht kehrten nicht zurück.

    Kurz vor ihrem Tod wurde Maryna Falska von einem deutschen Soldaten darüber informiert, daß ihr Waisenhaus in einen anderen Teil Polens verlegt würde. Bevor er ging, griff er nach ihrer Hand und riß ihr die Uhr vom Gelenk, die ihrem Mann gehört hatte. "Ich sah sie im Flur, und wie sie um die Uhr kämpfte, und ich rief ihr zu, sie solle sie ihm geben", erzählte Eugenka, eine der Erzieherinnen. "Er schlug sie mit seinem Gewehr und ging. Sie war todunglücklich über den Verlust der Uhr. Sie traf keinerlei Vorbereitungen für die Übersiedlung, sagte allerdings Sätze wie: >Laßt die Kinder keine schweren Sachen tragen. Bitte kümmert euch um die Kinder<. Als ob sie letzte Anordnungen geben würde."

    Am 7. Oktober 1944, am Tag bevor das Waisenhaus übersiedeln sollte, brach Maryna zusammen und mußte nach oben getragen werden. Eugenka weinte, als sie sah, daß Marynas Gesicht blau anlief. "Warum weinen Sie?" fragte der Arzt. "Es sterben so viele Leute." Maryna bat auch in ihrer Todesstunde nicht um die Beichte. Den Kindern und dem Personal sagte man, sie sei an einem Herzinfarkt gestorben, Eugenka und auch andere sind jedoch überzeugt, daß sie Zyankali genommen hat, weil sie das Haus nicht verlassen wollte. Da sie Maryna nicht wie die polnischen Soldaten, die in ihrem kleinen Spital starben, in einem Sack beerdigen wollten, zimmerten vier der Erzieher aus einigen Pulten einen Sarg. Die Beerdigung fand dann nachts im Hof statt, um nicht von den Deutschen entdeckt zu werden.

    Die Waisenkinder und ihre Erzieher wurden in einem offenen Lastwagen zu einem kleinen Dorf nach Südpolen gebracht, wo sie zusammen mit den jüdischen Kindern, die unter ihnen versteckt waren, durch Betteln überlebten. Nach dem Krieg wurde Maryna Falska ordentlich bestattet und das Waisenhaus wiederaufgebaut. Es arbeitet heute noch nach dem System der Selbstverwaltung, das sie und Korczak eingeführt hatten.

    Nach dem Krieg wurde von überlebenden polnischen und jüdischen Waisen und Erziehern in Warschau ein Janusz-Korczak-Verein gegründet. Über Jahre hinweg traf man sich sporadisch, dem jeweiligen politischen Klima entsprechend. Die Legende des Janusz Korczak verbreitete sich in Europa, als Dichter und Schriftsteller seinen letzten Marsch mit den Kindern literarisch verarbeiteten. In vielen Ländern wurden Schulen, Krankenhäuser und Straßen nach ihm benannt. Die UNESCO ernannte die Jahre 1978-79 zum Korczak-Jahr, weil das "Jahr des Kindes" und sein hundertster Geburtstag zusammenfielen. Papst Johannes Paul II. sagte dem Janusz-Korczak-Literaturwettbewerb, der von polnischen und jüdischen Amerikanern für Kinderbücher ausgeschrieben worden war. seine "besondere Unterstützung" zu.

    Mitte der siebziger Jahre erachtete es die polnische Regierung für politisch ratsam, eine Internationale Janusz-KorczakGesellschaft ins Leben zu rufen, die durch jährliche Konferenzen Korczaks Erziehungskonzepte verbreiten sollte. Jerzy Kuberski, der Erziehungsminister (inzwischen Botschafter beim Vatikan), wurde Vorsitzender der Gesellschaft. Manchmal, wenn ich auf einer Korczak-Konferenz in Warschau war, hatte ich das Gefühl, in einer Szene aus König Hänschen zu sein. Da waren Delegierte aus beiden Blöcken. viele von ihnen gerade durch jene politischen und religiösen Ideologien voneinander getrennt, die Korczak zeit seines Lebens zu überbrücken versucht hatte - aber jeder von ihnen intensiv damit beschäftigt, Korczak als Schriftsteller, Psychologen und moralischen Erzieher neu zu entdecken.

    Sie erheben beide Anspruch auf Korczak: Israel und Polen. Für die Polen ist er ein Märtyrer, der, wäre er als Katholik auf die Welt gekommen, inzwischen seliggesprochen worden wäre. Die Israelis verehren Korczak als einen der sechsunddreißig Gerechten, deren reine Seelen nach alter jüdischer Überlieferung die Rettung der Welt ermöglichen. Als ob sie ein gemeinsames Sorgerecht übernommen hätten, nehmen Delegierte beider Länder stets pflichtgetreu an den Gedächtnisfeiern des anderen teil, was keine kleine Geste ist. wenn man bedenkt, daß Polen nach dem arabisch-israelischen Krieg von 1967 seine diplomatischen Beziehungen zu Israel abgebrochen hatte. Im Geiste der Versöhnung schlug ein israelischer Delegierter, ein ehemaliger Kämpfer im Ghettoaufstand, bei einer Warschauer Konferenz vor, daß Korczak in Polen ein Israeli genannt werden sollte und in Israel ein Pole.

    ***
    Noch einige Zeit nach dem Krieg ging das Gerücht, daß die Viehwaggons, in denen Korczaks Waisen nach Treblinka gebracht worden waren, umgeleitet worden seien und daß er, Stefa und die Kinder sich in Sicherheit befänden. In ganz Polen gab es Leute, die behaupteten, sie in irgendeinem kleinen Dorf gesehen zu haben.

    In seinem Tagebuch hatte Korczak darüber nachgedacht, was er wohl nach dem Krieg machen würde: "Vielleicht werde ich zur Mitarbeit bei der Schaffung einer neuen Ordnung irgendwo auf der Welt oder in Polen berufen. Doch das ist sehr ungewiß, und ich möchte es auch gar nicht. Denn dann müßte ich ja amtieren - Sklaverei regulärer Arbeitsstunden und erzwungener Kontakte mit irgendwelchen Menschen, irgendwo ein Schreibtisch, ein Sessel und ein Telephon. Zeitvergeudung für laufende, alltägliche Angelegenheiten und der Kampf mit kleinen Leuten, mit ihren kleinen Ambitionen, Protektionen, mit ihrer Rangordnung und ihren Vorstellungen. Alles in allem - eine Tretmühle. Ich möchte lieber auf eigene Verantwortung handeln."

    Außerdem stellte er sich vor, "einen Wettbewerb für den Bau eines großen Waisenhauses in den Bergen des Libanon, in der Nähe von Kfar Geladi" auszuschreiben. "Dort wird es große Schlafräume geben, wie in einer Kaserne, und kleine >Einsiedlerhäuschen<. Für mich gibt es auf der Terrasse eines flachen Daches ein kleines Zimmer mit durchsichtigen Wänden, damit ich keinen Sonnenaufgang und keinen Sonnenuntergang versäume, damit ich immer wieder die Sterne sehen kann, wenn ich nachts schreibe."

    Treblinka, das wie die anderen ehemaligen Todeslager wie ein toter Mond außerhalb der großen Städte Polens liegt, wird von Besuchern aus der ganzen Welt lebendig erhalten. Sie reisen dorthin, um den Opfern ihre Reverenz zu erweisen. 1983 unternahm ich von Warschau aus diese Reise von kaum hundert Kilometern in einem von der Internationalen Korczak-Gesellschaft gemieteten Bus. Vorne neben mir saßen Jozef Balcerak und Ida Merzan. Misha Wroblewski war aus Schweden gekommen; Leon Ha' ari, Yanka Zuk, Stasiek Zyngman und Itzhak Belfer aus Israel. Igor Newerly war krank und konnte nicht dabeisein. Joseph Arnon war einige Jahre zuvor gestorben.

    Die Straße führte an der Weichsel entlang, an kleinen Dörfern vorbei, die in der Mittagssonne vor sich hin dösten, vorbei an weidenden Kühen, an Städten, die für ihre Lammfellmäntel berühmt sind, an Zügen mit Viehwaggons, die leer auf den Geleisen standen.

    Schließlich kamen wir zu dem Schild TREBLINKA, so heißt die kleine Stadt drei Kilometer vom Lager entfernt. Wir fuhren dann über schmale Straßen durch dichte Birken- und Kiefernwälder, die so schön waren, so urzeitlich, als wolle auch die Natur mit aller Macht das, was dort geschehen war, überdecken. Einige Jahre vorher, als ich mit einem polnischen Journalisten dort gewesen war, hatten wir uns genau an diesem Punkt verfahren. Wir fragten einen Mann, der mit seinem Enkelkind und einem Pferdekarren voller Kartoffeln vorbeikam, wie wir zu dem ehemaligen Todeslager finden würden. "Ich weiß es noch", hatte der Mann gesagt. "Ich habe alles vom Hügel hinter dem Dorf aus gesehen. Ich war Hütebub und paßte auf meine Kühe auf. Ich sah die Züge heranfahren. Ich sah, wie die Leute ausstiegen. Ich sah, wie sie versuchten wegzulaufen. Ich sah, wie sie geschlagen wurden. Erschossen. Oh, es war furchtbar. Man konnte überhaupt nichts tun. Wenn der Wind aus dem Osten kam, konnten wir es kaum aushalten. Der Wind aus dem Westen war besser. Wir schickten unsere Frauen und kleinen Kinder zu Verwandten, um sie vor den betrunkenen ukrainischen Wachtposten zu schützen." Er wies in die Richtung, wo das Lager gewesen war. Und dann fuhr er davon - Pferd, Karren, Enkel, Kartoffeln.

    Diesmal fuhr der Bus mit der Korczak-Delegation durch diese prachtvollen Wälder, die das Tor nach Treblinka bilden. Als wir ausstiegen, wurden wir von Buben und Mädeln der Janusz Korczak-Truppe begrüßt, die für uns Spalier standen. Auf dem falschen Bahnhof mit seiner falschen Uhr, deren Zeiger sich nie bewegten, und seinem falschen Fahrkartenschalter, an dem es keine Fahrkarten gab, dieser ganzen Attrappe, die nur hingestellt worden war, um den erschöpften Juden aus ganz Europa vorzugaukeln, daß sie sich immer noch auf der Übersiedlungsreise nach Osten befänden, warteten wir mit Hunderten anderen, die auch in Charterbussen gekommen waren, auf den Beginn der Feier.

    Nachdem wir den Eröffnungsreden der polnischen Behördenvertreter zugehört hatten, gingen wir, begleitet von Militärmusik, die aus Lautsprechern plärrte, an steinernen Schienen entlang, die die einstigen Eisenschienen symbolisieren sollten, zum Lager. Denn Treblinka gibt es nicht mehr, während es Auschwitz und andere Lager noch gibt. Es gibt keine Wachttürme, keinen Stacheldraht, keine Baracken, keine leeren Koffer und Haufen von Kinderschuhen. Dieses einstmals riesige Vernichtungszentrum wurde ein Jahr, nachdem es seine Arbeit aufgenommen hatte, bei einem Aufstand der dort gefangenen jüdischen Arbeiter teilweise niedergebrannt. Und dann vollendeten die Nazis das Zerstörungswerk, um ihre Spuren zu vernichten.

    Irgendwann nach dem Krieg wurde der vergewaltigte Platz, der einmal das Lager Treblinka gewesen war, in einen riesengroßen Steingarten verwandelt. Siebzehntausend Felsbrocken holte man von polnischen Steinbrüchen herbei, um die Dörfer, Städte und Länder von Hunderttausenden Männern, Frauen und Kindern zu repräsentieren, die dort starben - mit Ausnahme von tausend Zigeunern waren alle Juden.

    Die steinernen Schienen hörten an dem Platz auf, an dem die ukrainischen Wachen und die SS-Leute ihre Peitschen und ihre Gewehre geschwungen und die Juden aus den Viehwaggons herausgebrüllt hatten - Männer nach rechts, Frauen und Kinder nach links, dann in die "Umkleidebaracken". Die Männer brauchten nur ihre Kleider abzulegen und ihre Schuhe zusammenzubinden, die Frauen aber mußten ihre Haare noch abschneiden, bevor sie für die Desinfektion in den "Duschräumen" fertig waren.

    Wir gingen zu dem Platz, wo man sie zusammengetrieben hatte, nackt, in Fünferreihen auf einem schmalen, eingezäunten Pfad - der "Himmelsstraße", wie die Nazis ihn nannten -, der zu den Gaskammern führte.

    Wir starrten auf die schwarzen Steine über dem Loch, wo die Leichen auf dem riesigen " Bratrost" verbrannt worden waren.

    Wir kamen an einem hohen Steinmonument vorbei, das die Toten von Warschau ehrte. Die siebzehntausend Felsbrocken nahmen Haltung an wie gespenstische Wächter in diesem gespenstischen Garten, als wir zu unserem Ziel kamen, dem einzigen Felsen, der einen Namen trug:

    JANUSZ KORCZAK
    (HENRYK GOLDSZMIT)
    UND DIE KINDER

 

 


©  by M. Parciak   - Korczak Communication Center -  Munich, Germany
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